Fundraising und Kommunikation

Fairness beim Spenden sammeln. 

 

Standard 18 | Spendenwerbung

Die Organisation sammelt fair und führt die Spenden den angegebenen Zielen und Zwecken zu.

Spenden sammelnde Organisationen respektieren, dass Spenden auf Freiwilligkeit beruht. Die Entscheidung zu spenden wird nicht durch Druck, realitätsfremde Über- oder Untertreibungen, inhaltliche Verzerrungen, Zwang, Einschüchterung oder das Schüren von Ängsten beeinträchtigt. Insbesondere heisst dies:

  • Einmalige Spenden dürfen nicht zur Mitgliedschaft in einer Organisation verpflichten.
  • Bei Unterstützungsformen, die in Umfang und Zeit verpflichtend sind, ist eine angemessene Rücktrittsfrist einzuräumen.
  • Spendenwerbung darf nicht mit dem Versand unbestellter Waren gegen Rechnung erfolgen.

Spenden sammelnde Organisationen respektieren den Willen der Spenderinnen und Spender. Sie legen ­ihren Sammlungszweck klar dar. Zweckbestimmte Spenden werden separat erfasst und ausgewiesen. Will eine Organisation über die gesammelten Spendengelder frei im Rahmen des Organisationszwecks verfügen können, muss dies aus dem Sammlungsaufruf erkennbar sein.

Spenden sammelnde Organisationen respektieren die Rechte der Unterstützten, insbesondere von Kindern, und wahren deren Würde. Sie verwenden im Fundraising keine Materialien oder Methoden, die diese Würde untergraben. Sie verzichten zum Schutz der Kinder auf die Werbung mit Patenschaften, bei denen ein einzelnes Kind ausgewählt und den Patinnen oder Paten die Möglichkeit geboten wird, das Kind im Ausland zu kontaktieren (Einzel-Kinderpatenschaft).

Spenden sammelnde Organisationen kommunizieren ehrlich und klar. Sie verwenden in der Spendenwerbung überprüfbare Sachverhalte und machen über die Kosten für das Fundraising und die Werbung sowie über den administrativen Aufwand richtige und vollständige Angaben.

Spenden sammelnde Organisationen respektieren die Gesetze. Sie nehmen kein Bargeld entgegen, von dem sie annehmen müssen, dass sie aus strafbaren Aktivitäten stammen.

Spenden sammelnde Organisationen wahren ihre Unabhängigkeit. Sie nehmen keine Gelder entgegen, die sie in der Freiheit ihrer Entscheidungen oder Meinungsäusserungen beeinträchtigen.

Was muss eingereicht werden? Sammlungsaufrufe, für Direct-Dialog eingesetzte Unterlagen, Deklaration; falls vorhanden: Richtlinien zur Annahme von Geldern

Wie wird der Standard geprüft? Es wird individuell beurteilt, ob die Sammlungsaufrufe oder andere Unterlagen zur Spendensammlung dem Standard entsprechen. Kriterien dafür sind namentlich Darlegung des Sammlungszwecks, Unterscheidung und Erkennbarkeit von zweckgebundenen und freien Sammlungen, klare, ehrliche und respektvolle Kommunikation, sowie richtige Angaben über die Kosten des Fundraisings. Handlungen und Meinungsäusserungen dürfen nicht durch einzelne Finanzierungsquellen eingeschränkt werden. Beschwerden oder Hinweise von Dritten auf mögliche Verstösse zum Standard werden geprüft.

 

Standard 19 | Datenschutz

Die Organisation respektiert den Datenschutz und die Privatsphäre der Spenderinnen und Spender.

Die Organisationen dürfen gesammelte Daten und Adressen von Spenderinnen und Spendern, Mitgliedern, Freunden und Interessenten weder verkaufen, noch vermieten oder tauschen. Sie dürfen neue Adressen von Adressvermittlungsfirmen mieten oder kaufen.

Die Bestimmungen des Datenschutzes bleiben in jedem Falle vorbehalten; insbesondere müssen die Organisationen den Forderungen von Adressaten ihrer Werbemassnahmen Rechnung tragen, wenn diese keine oder weniger Sammlungsaufrufe erhalten wollen.

Bei Erstkontakten sind die Wünsche von Personen, die nicht kontaktiert werden wollen, zu berücksichtigen.

Wünschen Personen, dass sie nicht mehr oder weniger oft kontaktiert werden, setzen die Spenden sammelnden Organisationen dies schnell und ohne Hindernisse um.

Die Organisationen beachten besonders, dass Spendensammlungen per Telefon, SMS oder E-Mail, an der Haustüre und auf öffentlichem Grund keine aufdringliche Wirkung haben und sich die angesprochenen oder besuchten Personen nicht zur Spende gedrängt fühlen. Das Gespräch oder der Besuch ist sofort abzubrechen, wenn die kontaktierte Person zu erkennen gibt, dass sie keine Fortsetzung des Gesprächs wünscht.

Spenden sammelnde Organisationen verfügen über eine klare, gut sichtbare und einfach aufrufbare aktuelle Datenschutzerklärung auf ihrer Webseite.

Was muss eingereicht werden? Datenschutzerklärung auf Website, Deklaration

Wie wird der Standard geprüft? Der Standard ist erfüllt, sofern keine Verstösse dagegen erkennbar sind. Beschwerden oder Hinweise von Dritten auf mögliche Verstösse zum Standard werden geprüft. Die Datenschutzerklärung muss auf der Webseite verfügbar sein.

 

 

Standard 20 | Fundraising-Partner

Die Verantwortung für das Fundraising und die Kommunikation bleibt bei der Organisation, auch wenn sie mit Dritten zusammenarbeitet.

Für Organisationen, die im Fundraising und in der Kommunikation mit Dritten zusammenarbeiten, gelten folgende Regeln:

  • Die gemeinnützige Organisation bestimmt selber, wie sie ihre Tätigkeit in der Öffentlichkeit darstellen will. Die Verantwortung für eine Aktion kann nicht abgetreten werden. Die gemeinnützige Organisation ist dafür verantwortlich, dass ihre Partner die für das Fundraising und die Kommunikation bedeutsamen Anforderungen der Zewo ebenfalls einhalten.
  • Alle relevanten Daten, insbesondere aber die Adressdaten von Spenderinnen und Spendern, bleiben im alleinigen Eigentum der gemeinnützigen Organisation. Sie dürfen nicht an Dritte abgetreten werden. Dies muss in den jeweiligen Verträgen explizit festgehalten werden.
  • Die Verfügungsberechtigung über die für die Sammlung verwendeten Post- oder Bankkonten müssen immer und exklusiv bei der gemeinnützigen Organisation bleiben.
  • Die Entschädigung von beauftragten Fundraiserinnen und Fundraisern orientiert sich grundsätzlich am geleisteten Aufwand. Spenden sammelnde Organisationen zahlen keine Provisionen in einem prozentualen Verhältnis zu den eingeworbenen Spenden. Sie schliessen keine Vereinbarungen ab, bei denen die Spenden bei den Dritten bleiben, sobald das Spendenziel der gemeinnützigen Organisation erreicht ist. Werden im Zusammenhang mit Grossspenden Erfolgsbeteiligungen vereinbart, sind diese den Geldgebern gegenüber ohne Aufforderung offenzulegen.
  • Für die Angestellten der Partnerfirma gilt, dass der überwiegende Teil des Lohns nicht erfolgsabhängig sein darf.
  • Auf Vorausfinanzierung durch die Auftragnehmer wird verzichtet.
  • Haben Vertragspartner Einsicht in die Responsedaten, muss der externe Partner vertraglich verpflichtet werden, solche Daten nur im Rahmen des Auftrags zu verarbeiten (keine Markierung /«Impfung»).

Was muss eingereicht werden? Verträge mit externen Fundraisern, Deklaration

Wie wird der Standard geprüft? Die vertraglichen Vereinbarungen mit externen Fundraisern müssen dem Standard entsprechen. Beschwerden oder Hinweise von Dritten auf mögliche Verstösse zum Standard werden geprüft.

 

 

Standard 21 | Sammlungskalender

Grosse Organisationen koordinieren und regulieren ihre Sammlungen im Sammlungskalender der Zewo.

Die Bestimmungen dieses Standards gelten für Organisationen, die regelmässig nationale oder ­überregionale* Sammlungen und Aktionen zur Gewinnung von neuen Spendern, Gönnern oder Mitgliedern durchführen sofern sie mehr als 5 Millionen Franken Spenden** einnehmen.

Die Zewo koordiniert die Daten dieser Sammlungen jährlich im Schweizerischen Sammlungskalender. Er umfasst folgende Teile:

  • Kalender 1 | Internationale Entwicklungszusammenarbeit
  • Kalender 2 | Inland: Gesundheit, Sucht und Behinderung
  • Kalender 3 | Soziales und soziokulturelles Inland sowie Umwelt-, Tier-und Artenschutz
  • Zusatztermine

Jede Organisation erhält innerhalb eines Kalenderjahres maximal drei Sammelzeiten. Organisationen, die in mehreren Themenbereichen sammeln, können in mehreren Teilkalendern vertreten sein. Sie erhalten insgesamt auch maximal drei Termine.

Basierend auf den Terminen des Vorjahrs erstellt die Zewo jeweils einen Entwurf des Kalenders, in den sie maximal zwei Termine pro Organisation überträgt. Organisationen, die einen dritten Sammlungstermin beanspruchen, können diesen danach für einen freien Platz beantragen. Pro Quartal erhält jede Organisation höchstens zwei Termine im Sammlungskalender.

Sind in einem Teilkalender in einem Quartal nur noch wenige Termine frei, können Organisationen, die neu in diesem Quartal sammeln wollen, einen parallelen Sammlungstermin beantragen. So sind ausnahmsweise vier parallele Sammlungen möglich.

Ist eine Organisation mit der Zuteilung nicht einverstanden, so ist eine Umteilung in gegenseitiger Absprache mit einer anderen Organisation möglich. Kommt es zu keiner Einigung, so setzt die Geschäftsstelle der Zewo die Sammlungszeit fest. Sie achtet dabei darauf, dass die Organisationen ihren gewohnheitsmässigen Sammlungstermin nach Möglichkeit beibehalten können. Die Organisation kann gegen den Entscheid der Geschäftsstelle innert 30 Tage beim Stiftungsrat Beschwerde wegen Willkür erheben. Die Beschwerde ist mit einem Antrag zu versehen und zu begründen. Der Zewo-Stiftungsrat entscheidet endgültig.

In der Regel dauert eine Sammlungszeit 2 Wochen, wobei der Versand von adressierten und unadressierten Sammlungsaufrufen jeweils in der zweiten Woche vorgesehen ist. Verlängerungen für den Verkauf von Abzeichen, Marken oder anderen Artikeln sind bis max. 6 Wochen möglich. Geschenkte Werbeplätze für Füllerinserate oder den Überhang von Plakaten werden im Sammlungskalender nicht erfasst.

Werbung ohne Sammlung ist in allen Medien während des ganzen Jahres möglich. Unter Sammlung wird ein Aufruf zur unmittelbaren finanziellen Unterstützung der Organisation oder einer bestimmten Sammel­aktion verstanden.

Ausserhalb des Sammlungskalenders sind folgende Sammlungen möglich:

  • Sammlungen, die sich ausschliesslich an Mitglieder oder an bestehende Spenderinnen und Spender der Organisation richten.
  • Sammlung von Naturalien ( z. B. Altpapier oder Kleider ).
  • Strassen- oder Haustürsammlungen und Standaktionen an maximal 10 Standorten gleichzeitig.
  • Regionale Sammlungen mit adressierten Mailings bis zu maximal 150 000 Fremdadressen pro Quartal.
  • Pro Quartal ein Test mit Streuwürfen an maximal 250 000 Haushalte oder ein Test mit adressierten ­­Mailings an maximal 100 000 Fremdadressen.
  • Sammlungen bei Katastrophen im In- und Ausland.

* Um zu bestimmen, ob eine Sammlung überregional ist, kann die ständige Wohnbevölkerung per 31.12.2011 in den sieben Grossregionen der Schweiz gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) als Anhaltspunkt herangezogen werden:
    1. Region Genfersee: Kantone Genf, Waadt und Wallis 1,50 Mio.
    2. Espace Mittelland: Kantone Bern, Solothurn, Freiburg, Neuenburg und Jura 1,77 Mio.
    3. Nordwestschweiz: Kantone Basel, Aargau 1,08 Mio.
    4. Zürich: Kanton Zürich 1,39 Mio.
    5. Ostschweiz: Kantone St.Gallen, Thurgau, Appenzell, Glarus, Schaffhausen, Graubünden 1,11 Mio.
    6. Zentralschweiz: Kantone Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Luzern, Zug 0,76 Mio.
    7. Tessin: Kanton Tessin 0,34 Mio
    Diese Gebiete umfassen immer ganze Kantone und entsprechen somit nur teilweise den tatsächlichen Verhältnissen. Sie zeigen aber die Grössenordnung auf. Gewisse geographische Abweichungen sind möglich.
**    Gemäss Zewo-Spendenstatistik zählen folgende Einnahmen zu den Spenden: Einzelspenden, Mitglieder- und Gönnerbeiträge, Patenschaften, Anlässe, Legate, Spenden von Institutionen (z. B. NPOs, Firmen, Kirchen, Kantone, Gemeinden) sowie weitere und nicht zuordenbare Spenden. Im Rahmen des Prüfverfahrens wird jeweils der Einzelfall beurteilt.

 

Was muss eingereicht werden? Jahresrechnung; situationsbedingt: Anmeldeformular

Wie wird der Standard geprüft? Organisationen, die die Aufnahmebedingungen erfüllen, müssen sich für den Sammlungskalender anmelden und ihre Sammlungen gemäss dem Standard koordinieren. Beschwerden oder Hinweise von Dritten auf mögliche Verstösse zum Standard werden geprüft.

Einführung

Die 21 Zewo-Standards sind seit dem 1.  Januar 2016 in Kraft.

Hilfswerke mit Zewo-Gütesiegel werden in Prüfverfahren, die ab dem 1. Januar 2017 eröffnet werden, nach den im Reglement zum Zewo-Gütesiegel festgehaltenen Bestimmungen auf die Einhaltung der 21 Zewo- Standards geprüft.

Hilfswerke ohne Zewo-Gütesiegel werden ab dem 1. Juli 2016 nach dem Reglement zum Zewo-Gütesiegel auf die Einhaltung der 21 Zewo-Standards geprüft.